Gedanken zur Karwoche


von Dr. Christoph Hoffmann-Kuhnt, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei den Orgel-Gedanken

Wir befinden uns mitten in der Karwoche, auch „stille Woche“ genannt. Es ist im Kirchenjahr die letzte Woche der Fasten- oder Passionszeit in der wir Jesu Tod nachspüren. Stille Woche deshalb, weil früher die Orgel in der Kirche schwieg, auch in „normalen“ Jahren keine öffentlichen Festlichkeiten oder Tanzveranstaltungen stattfanden. Heute beschränkt sich das meist auf den Karfreitag.

Zwei Worte werden Sie in diesen Tagen besonders begleiten: „Für dich!“:

Z.B. zusammen mit einem bunten Primel-Körbchen als Ostergruß oder einer selbst gemalten Grußkarte der Enkelkinder - „Für dich!“ Da ist dann alles drin enthalten in diesen Worten: die Freude darüber, etwas selbst ausgedacht und gemalt zu haben; die Spannung auch, ob es gut ankommt; und die Erwartung, dass es geschätzt und gewürdigt wird.

„Für dich!“ Wann haben Sie zum letzten Mal diese Worte gesagt bekommen oder sie selber gebraucht? Ich meine, gesagt und gebraucht in diesem guten Sinn, bei dem es überflüssig ist, mit noch weiteren Worten das Warum oder Wozu zu begründen? Wo wirklich alles in diesen zwei Worten enthalten ist und sie nur eines deutlich machen wollen: Du bist mir wichtig, du liegst mir am Herzen und dir will ich etwas Gutes tun!

Wir hören diese zwei Worte „für dich“ auch beim Abendmahl. Wir stehen – hoffentlich bald wieder – im Halbkreis am Altar, die Hostie oder ein Stück Brot wird uns gegeben mit den Worten „Der Leib Christi, für dich gegeben!“ Und es wird der Kelch gereicht, und wir hören: „Das Blut Christi, für dich vergossen!“ Diese Worte sprechen vom Leidensweg Jesu. Wir erkennen in diesem Leidensweg eine besondere Zuwendung Gottes an uns. Es sind persönliche Worte, und sie gelten dem, der sich von Gott einladen lässt.

Diese Karwoche hat den Ruf einer bedrückenden und kargen Zeit. Sie hören den Gleichklang? das althochdeutsche Wort „kara“ steht für Klage, Kummer, Trauer. Vermutlich wirkt darin noch das kirchliche Zwangsfasten früherer Jahre nach, das Tragen schwarzer Kleidung und die Ablehnung fröhlicher Gemeinschaft. In vielen katholischen Kirchen wird der Altar mit violetten Tüchern verhängt, als sichtbares Symbol der Trauer.

Mir ist diese „stille Woche“ eine Hilfe, weil ich sie jedes Jahr von neuem als Chance wahrnehme, dem Weg Jesu nachzuspüren, an dessen Ziel das Kreuz von Karfreitag und das leere Grab steht mit der unsichtbaren Schrift darüber geschrieben: ‘Für dich!‘ - zwei wohltuende Worte, die die Vergebung der Schuld und neues, von Gott geschenktes Leben verheißen. Insofern - weniger Trauer, als vielmehr tiefe Dankbarkeit für diese zwei Worte: ‘Für dich!‘


Tageslosung


Der HERR erweckte den Geist des Volkes, dass sie kamen und arbeiteten am Hause des HERRN Zebaoth, ihres Gottes.
Haggai 1,14

Lass nicht außer Acht die Gabe in dir, die dir gegeben ist.
1.Timotheus 4,14

Termine


25.10.2020 08:00 Uhr

Marienkirche

Frühgottesdienst

25.10.2020 10:00 Uhr

Marienkirche

Gottesdienst

25.10.2020 18:00 Uhr

MAH EG

Abendkirche

27.10.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

30.10.2020 17:00 Uhr

Marienkirche

Friedensgebet

31.10.2020 10:00 Uhr

Marienkirche

Gottesdienst zum Reformationstag