Gedanken zum menschlichen Tun


von Manfred Häußler, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei den „Orgel-Gedanken“

„Ich baue eine große Kirche!“

Brütende Hitze lag über dem Weibermarkt. Die Stadt schien in einem Dämmerschlaf zu liegen. Einzig die hellen, gleichmäßigen Hammerschläge des Steinmetzen durchbrachen die mittägliche Stille. Immer wieder, im gleichen Rhythmus. Wochenlang arbeitete Siegfried nun schon an Steinblöcken für eine Fiale mit einer Kreuzblume. Noch war davon wenig zu sehen, zumindest für ein ungeübtes Auge wie das der Bäuerin Sieglinde. In den nächsten Tagen wird sie wieder vorbeikommen, um auf dem Markt ihre Feldfrüchte anzubieten. Dann wird sich jenes altbekannte Gespräch wiederholen: „He, Siegfried, hockst du noch immer vor deinen Steinen und meißelst!? Du klopfst und hämmerst – und wenig ist zu sehen. Wie lange dauert's denn noch? Dein Geklopfe führt doch zu nichts. Die Leute schütteln über dich den Kopf. Du wirst doch nie fertig! Hör auf!“ Und Siegfried antwortete jedes Mal: „Ich tue meine Arbeit und du tust deine. So leben wir beide von unserer Hände Arbeit.“ Aber es bohrte in ihm. Diese ständigen Bemerkungen, als sei seine schwere Arbeit ohne Wert. Für den nächsten Markttag war ihm eine neue Antwort eingefallen. Mit diesem Satz, der ihn schon heute schmunzeln ließ, wird er Sieglinde überraschen: „Ich behaue nicht einfach einen Stein – ich baue eine große Stadtkirche!“

Diese erfundene Geschichte verlege ich in das Jahr 1270, also in die Zeit vor 750 Jahren. Knapp 25 Jahre war an der Marienkirche schon gebaut worden und noch mehr als 70 Jahre sollte es bis zur Fertigstellung dauern. Zurzeit ist die Marienkirche ja wieder eine Baustelle. Eine Steinmetz-Firma arbeitet an der Instandsetzung, u.a. von 5 Fialen einschließlich einiger Kreuzblumen. Doch zurück zur Bäuerin Sieglinde und zu Siegfried. Sieglinde erntete, was sie gepflanzt hatte und brachte es alsbald zum Verkauf. Siegfried bearbeitete weiterhin seine Steinblöcke und hat die Fertigstellung der Marienkirche nicht erlebt.

Beide verkörpern Erfahrungen, die auch wir machen, im Beruf, im Ehrenamt oder ganz privat. Manchmal bringen wir eine Tätigkeit zeitnah und sichtbar zu einem Abschluss – und manchmal brauchen wir viel Geduld und überblicken das große Ganze gar nicht. Die Spannung zwischen beiden Erfahrungen spürt jede und jeder. Und jede und jeder empfindet das Bedürfnis, mit dem eigenen Tun zufrieden zu sein.

Vielleicht liegt der Schlüssel für die Zufriedenheit in dem Ratschlag, den uns der Schreiber des Kolosserbriefes gibt (Kol 3,17): […] alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Für mich heißt das: versuchen, bei allem, was ich tue, Jesus Christus dabei haben zu wollen; versuchen, so zu arbeiten, als arbeite ich in seinem Auftrag – und: dafür dankbar zu sein, in IHM einen Arbeitgeber zu haben, der im Scheitern und im Gelingen zu mir hält. Wo sich die Zufriedenheit über eine Tätigkeit einstellt, da ist es nicht unbescheiden zu sagen: Gott und ich haben das gut gemacht.


Tageslosung


Eine Generation rühmt der andern deine Werke, und deine mächtigen Taten verkünden sie.
Psalm 145,4

Die Gnade mehre sich durch die wachsende Zahl der Glaubenden, und so ströme der Dank reichlich zur Verherrlichung Gottes.
2.Korinther 4,15

Termine


10.07.2020 17:00 Uhr

Marienkirche

Friedensgebet

11.07.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

12.07.2020 08:00 Uhr

Marienkirche

Frühgottesdienst

12.07.2020 10:00 Uhr

Marienkirche

Gottesdienst

12.07.2020 10:30 Uhr

MAH EG

Erzählgottesdienst für Kinder (und Eltern)

12.07.2020 14:00 Uhr

Marienkirche

Taufgottesdienst