Gedanken zu Wegen


von Manfred Häußler, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei den „Orgel-Gedanken“

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Der Weg ist das Ziel.

Egal, wo’s langgeht, wenn’s nur nicht so lang geht. Wir machen den Weg frei!

Wer nicht weiß, wohin er will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er keinen Weg findet.

Sinn-Sprüche zum Thema Wege gehen gibt es genug. Das mag daran liegen, dass sich unser Leben zu wesentlichen Teilen auf Wegen ereignet. Unser Leben ist buchstäblich Be-Weg-ung. Manche Wege sind verpflichtend, wie der mindestens neunjährige Schulweg, andere dringend empfohlen, wie der Fußgängerüberweg an einer belebten Straße. Einige wählen wir selbst und gehen sie freiwillig, wie den Kirchgang oder die Fahrradtour. Beim Unterwegs-Sein in einer schönen Landschaft mögen wir den Weg tatsächlich schon als ein lohnendes Ziel empfinden. In der beruflichen Laufbahn – auch dies ein Weg – mag es so sein, dass uns das eigene Wollen vorangebracht hat oder andere den Weg vor uns frei gemacht haben. Wie auch immer, wir machen auf unseren Wegen Er-Fahr-ungen, die in den genannten Sinnsprüchen verdichtet sind. Auf unseren Wegen gelingt uns manches, mal mehr, mal weniger, aber wir scheitern auch. Manchmal fühlen wir uns ausweglos oder verspüren Ungeduld. Zum Glück gibt es Lebensabschnitte der Leichtigkeit und der Schönheit.

Christen deuten ihr Leben als einen Glaubensweg. Sie sind unterwegs im Vertrauen auf Gottes Gegenwart. Als Wegweiser haben sie Texte, die dieses Vertrauen immer wieder neu zu stärken in der Lage sind, wie z.B. das Psalmlied Paul Gerhardts (EG 361): Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Über eine Wegweisung hinaus geht das Jesus-Wort aus dem Johannes-Evangelium (Joh 14,6): Ich bin der Weg … und das heißt: Ich bin Euer Ausweg, Weg und Ziel in einem, ich bin Eure Gottesbegegnung, der Sinn Eures Lebens. Sinn und Weg gehören durch ihre Wortherkunft eng zusammen. Das althochdeutsche Wort sinnan bedeutet reisen, streben, gehen. Sinn in seiner ursprünglichen Wortbedeutung steht also für Reise, für Weg – man könnte auch sagen: für Erfahrung. Ein ganz unumgänglicher Weg unseres Lebens ist freilich keine Erfahrung mehr, sondern ein Widerfahrnis – der sogenannte ’letzte Gang’.

Ich bin der Weg, sagt Jesus, und das schließt seine Auferstehung mit ein. Sein Auferstehungsweg degradiert den sogenannten ’letzten Gang’ zum vorletzten und vermag allen unseren Wegen einen unvergleichlichen Glanz zu verleihen.


Tageslosung


Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Psalm 73,25

Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.
Johannes 6,67-69

Termine


14.08.2020 17:00 Uhr

Marienkirche

Friedensgebet

15.08.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

15.08.2020 20:00 Uhr

Marienkirche

Reutlinger Orgelsommer

16.08.2020 08:00 Uhr

Marienkirche

Frühgottesdienst

16.08.2020 10:00 Uhr

Marienkirche

Gottesdienst

18.08.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit