Gedanken zu Psalm 23


von Pfarrerin Sabine Großhennig

Die größte und reichste Sammlung von Gebeten in der Bibel sind die Psalmen. Sie stecken voller Lebenserfahrung. Sie preisen die Wunder der Schöpfung und die Herrlichkeit Gottes, die in ihr zum Ausdruck kommt. Sie schimpfen über die Bosheit und Dummheit der Menschen, die einander bekriegen und gefährden. Sie bitten um Hilfe in schweren Zeiten und um Vergebung eigener Schuld. Sie erinnern an Erfahrungen von Trost und Hilfe. So spiegeln sie in einer ungeheuer bilderreichen Sprache eine Fülle von Lebenserfahrungen und die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle: Zorn- und Rachegedanken ebenso wie Freude und Angst, Schuld und Glück. Nichts Menschliches ist ihnen fremd. Und so kann es geschehen, dass auch heute noch, zweieinhalbtausend Jahre später, Menschen sich mit ihren Gefühlen, Sorgen und Freuden in den Worten und Bildern der Psalmen wiedererkennen.

Natürlich gelingt das nicht immer. Manchmal sind die Lebensumstände, von denen da die Rede ist, so ganz anders als unsere. Und dann klingen die Worte fremd und fern. Immer wieder aber sprechen die Bilder der Psalmen einen trotzdem ganz direkt an. Mir geht das jedenfalls so, zum Beispiel mit dem 23. Psalm. „Der Herr ist mein Hirte“, so beginnt er in der Übersetzung Martin Luthers. Ich weiß zwar nicht genau, was ein Hirtenleben damals ausgemacht hat. Aber ich verstehe doch was gemeint ist und ich spüre den Trost und das Vertrauen, das aus diesen Worten spricht. So möchte ich Ihnen diesen Psalm heute vorlesen:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie diese Worte hören. Aber für mich strömt dieser Psalm eine solche Ruhe aus, eine ganz große Gelassenheit. Das tiefe Vertrauen auf Gott berührt und tröstet mich und ich bete die uralten Worte gerne mit. Ich bete den Psalm im Krankenhaus mit sterben­den Menschen und ihren Angehörigen, in der Kirche mit der Gemeinde, auch mit Konfirmanden, die ihn nicht zuletzt deshalb mögen, weil er so kurz ist. Oder ich bete ihn am Anfang eines neuen Tages, denn er gibt mir die Zuversicht, dass Gott auch an diesem Tag bei mir ist - und am Ende des Tages, um all das, was mich an ihm beschäftigt, beunruhigt und gefreut hat, in Gottes Hand zu legen.

Denn: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln …. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du, Gott, bist bei mir.

Gott behüte Sie!


Tageslosung


Ich will den HERRN loben in den Versammlungen.
Psalm 26,12

Wie ist es nun, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung!
1.Korinther 14,26

Termine


06.08.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

07.08.2020 17:00 Uhr

Marienkirche

Friedensgebet

08.08.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

09.08.2020 08:00 Uhr

Marienkirche

Frühgottesdienst

09.08.2020 10:00 Uhr

Marienkirche

Gottesdienst

09.08.2020 14:00 Uhr

Marienkirche

Taufgottesdienst