Gedanken zu Ostern


von Dr. Christoph Hoffmann-Kuhnt, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei den Orgel-Gedanken

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
(aus Lukas 24)

Plastisch dargestellt ist dieses Ostergeschehen am sogenannten Heiligen Grab im Chorraum unserer Marienkirche: an einem leeren Sargtrog stehen Johannes und die drei Marien (Marias), wie bei Markus 16 berichtet. Sie sind gekleidet wie Bürger am Ende des 15.Jhs hier in Reutlingen. Davor die schlafenden Wächter mit Lanze und Arkebuse (eine Art Gewehr), darüber in einer eigenen Nische der Auferstandene mit leuchtend rotem Gewand und der Osterfahne. Und weiter oben die Halbbüsten von Propheten des Alten Testaments. Bildlich fährt Jesus auf zu den Vätern seines Glaubens in das Reich der Verheißung.

Eine großartige Steinmetzarbeit, ohne Datum oder Herkunftsbezeichnung, vermutlich aus der gleichen Bauhütte, wie der Taufstein, bei dem wir das Datum der Aufstellung 1499 finden - also beides aus vor-reformatorischer Zeit.

Gerne wüsste ich, wie der Reutlinger Reformator Matthäus Alber damals diese Darstellung (etwa 25 Jahre nach Aufstellung) gesehen hat. Zeigt sie die Erhöhung Jesu? Hilft sie die Auferstehung Jesu zu verstehen? Mich beschäftigt dabei das Größenverhältnis der Figuren – Christus ist nur halb so groß wie Johannes!  Wird mit solch perspektivischen Verkleinerung die Himmelfahrt angedeutet? Je weiter eine Figur vom Betrachter entfernt ist, desto kleiner wird sie. Also Christus wird „erhöht“, wie es in älteren Texten heißt.

Mit dem Verstand ist das Ostergeschehen ja nur schwer zu fassen. Viele sagen „ich glaube nur, was ich sehe, was ich begreifen kann; nur das hat Bestand“. Auch die Jünger konnten die Auferstehung Jesu zunächst nicht fassen. Denken Sie an Thomas, er will Jesus Wunden berühren, um zu verstehen. Und wir hätten heute gerne ein Beweisfoto. Es ist aber eine Angelegenheit des Glaubens, eine zentrale Aussage unseres christlichen Bekenntnisses. Hilft uns die Darstellung des Heiligen Grabes?

Der erste Sonntag nach Ostern trägt die alte Bezeichnung „Quasimodogeniti“ - zu deutsch: wie die neugeborenen Kinder, also unbefangen und voller Urvertrauen, geborgen im Arm der Mutter. Gerne wird an diesem Sonntag über den zweifelnden Thomas gepredigt, der den Auferstandenen berühren wollte. Und er bekommt die Antwort: „selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Es geht also um die unsichtbare Gemeinschaft mit Christus und um das kindliche Vertrauen, mit dem wir Anteil bekommen an Jesu neuem Leben.

Mir jedenfalls hat die Darstellung des Heiligen Grabes die Augen geöffnet für das Oster-geschehen und die Zusammenhänge prophetischer Aussagen im Alten Testament, auf die sich Jesus immer wieder beruft. Und so überwindet Gott den Tod mit neuem, ewigem Leben.



Tageslosung


Ich will den HERRN loben in den Versammlungen.
Psalm 26,12

Wie ist es nun, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung!
1.Korinther 14,26

Termine


04.08.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

06.08.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

07.08.2020 17:00 Uhr

Marienkirche

Friedensgebet

08.08.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

09.08.2020 08:00 Uhr

Marienkirche

Frühgottesdienst

09.08.2020 10:00 Uhr

Marienkirche

Gottesdienst