Gedanken zu Engeln


von Pfarrerin Sabine Großhennig

„Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf all deinen Wegen.“ Dieser Vers aus dem 91. Psalm ist bei uns der beliebteste von allen Taufsprüchen. Viele Eltern suchen für die Taufe ihrer Kinder dieses Bibelwort aus und bitten so darum, dass Gott sie bewahren möge auf ihrem Lebensweg. Mich erinnert dieser Psalmvers an den Engel auf unserer Marienkirche und an alte Schutzengel-Bilder. Auf ihnen ist ein Kind zu sehen, das geradewegs auf einen tiefen Abgrund zuläuft oder gar darüber balancieren will. Aber hinter ihm steht ein schöner großer Schutzengel mit ausgebreiteten Flügeln. Er fasst das Kind am Rockzipfel und bewahrt es vor der Gefahr. Ich kann gut nachvollziehen, dass Eltern sich das für ihre Kinder wünschen, dass sie so vor allen Abgründen des Lebens bewahrt werden mögen. Denn Eltern, überhaupt wir Erwachsenen wissen ja nur zu gut, wie viele Gefahren es im Leben gibt, wie viele Dinge einem Angst machen können. Und da tut es mir gut zu hören, dass Gott uns mit den Gefahren des Lebens nicht alleine lassen will.

Aber – wir Erwachsenen wissen eben auch, dass Gott uns nicht alle Gefahren, alle Angst und auch nicht alle Abgründe des Lebens erspart. Jedenfalls ist das meine Erfahrung. In manchen Zeiten wünschte ich mir mehr Hilfe und Unterstützung. Und es gibt Situationen im Leben, da frage ich mich: Wo sind sie denn geblieben, Gottes Engel, die mich oder andere Menschen behüten und bewahren sollen? Zum Beispiel, wenn ich mit einer Familie die über den Tod ihres Sohnes oder ihrer Tochter, von Mutter oder Vater sprechen muss. Wenn die Familie dann fragt: Warum? Warum er, warum sie? Und warum hat Gott das nicht verhindert? Dann wünsche ich mir sehr, ich hätte eine einfache, klare und womöglich tröstliche Antwort. Aber die habe ich nicht. Ich weiß auch nicht, warum das Leben uns manchmal soviel Schmerzen und Angst zumutet. Ich weiß auch nicht, warum Gott das Leben nicht einfach ideal und ohne Schmerzen eingerichtet hat. Ich weiß nur, wie Sie auch, dass unser Leben eben eine Mischung ist aus schönen und aus schweren Zeiten. Dass manchmal auf unverdientes großes Glück auch ebenso unverdientes großes Leid folgen kann. Und Gott regelt weder das eine noch das andere für uns.

Meiner Erfahrung nach beseitigt Gott weder die Abgründe noch die Hindernisse auf den Wegen des Lebens. Aber meine Erfahrung ist auch, dass Gott gerade in den abgründigen Zeiten des Lebens eine ganz besondere Art hat, bei mir, bei uns zu sein. Dass er mir Kraft gegeben hat, als ich erschöpft war und neue Hoffnung, als ich nicht mehr weiterwusste. Und deshalb vertraue ich dem alten Psalmgebet, das sagt: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf all deinen Wegen“.

Und das wünsche ich Ihnen auch!





Tageslosung


Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten!
Psalm 112,1

Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.
1.Petrus 2,24-25