Gedanken zu den Sommerferien


von Manfred Häußler, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei den „Orgel-Gedanken“

 

Sommerzeit ist Ferienzeit. Für viele ist ein Standortwechsel angesagt. Weil der Himmel, an dem sonst die Flugzeuge fliegen, fast leer ist, sind die Autobahnen diesen Sommer noch voller. Nach den Beschränkungen der letzten Monate sehnen sich viele Menschen nach einem anderen Ort, um das gewohnte Zuhause einmal hinter sich zu lassen.

Im Markusevangelium (6,31) gibt es einen Satz, der fast wie ein Urlaubs-Tipp klingt: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Jesus sagt dies zu seinen Jüngern. Er hatte sie zuvor ausgesandt, damit sie das Evangelium verkünden und in Wort und Tat für die Menschen da sein sollten. So hatte er es ihnen vorgelebt. Nun waren sie zurückgekehrt und erzählten, was sie getan und gelehrt hatten. Die Jünger müssen wohl sehr erschöpft gewesen sein. Als Begründung berichtet Markus: Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen.

Geht ihr – allein – an eine einsame Stätte – und ruht ein wenig. Wie hören wir diesen Satz? Wir sind in einer anderen Situation als die Jünger. Vielleicht hören wir ihn in Corona-Zeiten so: Achtet auf physical distancing und kommt mal wieder runter.

Wovon herunter eigentlich? Vom hohen Ross, von hohen Ansprüchen, von steilen Zielen oder vom rasant getakteten Alltag? Bei den genannten Beispielen ist es gewiss angebracht: mal ruhen – herunterkommen – entschleunigen. Solche Begriffe hören wir oft, wünschen uns auch, dass es eintritt und kriegen es dann doch oft nicht hin. Das mag teilweise daran liegen, dass wir das aktive Leben und das Arbeiten höher einschätzen als alles andere. Von Martin Luther ist der Satz überliefert: Man kann Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen.

Ruht ein wenig, das kann freilich auch heißen, weiterhin aktiv zu sein, aber eben anders als bisher. In aller Ruhe etwas zu essen – die Jünger hatten dafür nicht genug Zeit gehabt, wie Markus schreibt. Ein Theologie-Professor ermahnte einmal seine Studierenden, darauf zu achten, dass wenigstens einmal am Tag die Nahrungsaufnahme den Charakter eines Mahles habe. Ein schön gedeckter Tisch, das Essen ansprechend hergerichtet, vielleicht ein Moment des Innehaltens, ein kurzes Tischgebet, und eine Weile Zeit, wo möglich eine lange Weile. Sich Zeit lassen, die lange Weile zulassen, in aller Ruhe tun, was zu tun ist, das könnte eine Regel für das Arbeiten und erst recht für die Ferienzeit sein. Sogar, wenn die Ferien ein Aktivurlaub sind.

Eigentlich fahre ich ganz gerne Rad. Doch dieses Jahr habe ich die Vorteile des Gehens und Wanderns wiederentdeckt. Es ist langsamer und es kommt mir ruhiger vor. Ich nehme mehr um mich herum wahr, auch die unscheinbaren Schönheiten am Weg. Es braucht natürlich eine Weile länger, eine bestimmte Strecke zurückzulegen, aber es macht mich zufriedener, dankbarer. Leichter als beim Radfahren kommen und gehen die Gedanken bei mir in der Langsamkeit und der langen Weile des Gehens. Und manche kann ich in aller Ruhe zu einem Gebet werden lassen.

Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. –

In diesem Sinne – und nur in diesem – wünsche ich uns allen eine lang-weilige Ferienzeit!

Tageslosung


Sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn, und Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede.
Jeremia 6,13-14

Ein jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Denn man pflückt nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens.
Lukas 6,44-45

Termine


25.09.2020 17:00 Uhr

Marienkirche

Friedensgebet

26.09.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

27.09.2020 08:00 Uhr

Marienkirche

Frühgottesdienst

27.09.2020 10:00 Uhr

Marienkirche

Gottesdienst

27.09.2020 10:30 Uhr

MAH EG

Erzählgottesdienst für Kinder (und Eltern)

27.09.2020 14:00 Uhr

Marienkirche

Ordinationsgottesdienst Vikarsteam