Gedanken zu barmherzigen Samaritern heute


von Sabine Werner-Heid, ehrenamtliche Mitarbeiterin bei den „Orgel-Gedanken“

Die Geschichte vom barmherzigen Samariter – sie passiert heute noch genauso wie zu biblischen Zeiten.

In einem Gruppenchat in meinem Freundeskreis erzählte eine Bekannte ein Erlebnis, das sie kürzlich auf dem Heimweg von der Arbeit hatte. Eines Abends nach Feierabend war sie auf dem Weg vom Betrieb zu ihrem geparkten Wagen, durch eine stille, schon dunkle Straße. Da kam ein Mann auf sie zu, leicht stolpernd und schwankend, und obwohl sie es in der dunklen Straße kaum erkennen konnte, war sie sich ziemlich sicher, dass er dunkelhäutig war und die Art von leicht angeberischer Kleidung anhatte, wie sie junge Flüchtlinge gerne tragen. Sie versuchte, ihm auszuweichen, aber auch er änderte seine Richtung und kam direkt auf sie zu. Als er nahe genug war, rief er: „Hey, hallo Sie, können Sie mir sagen, wo es zum Bahnhof geht?“ Sie fühlte sich sehr unsicher und nervös - war das vielleicht nur eine billige Masche der Anmache? Und offensichtlich betrunken war er ja auch noch ... Sie schaute ihn sich vorsichtig näher an – er konnte wirklich nicht gerade stehen, aber er sprach ganz klar. „Ich…ich bin ein bisschen betrunken“, sagte er, „und deshalb finde ich den Weg zum Bahnhof nicht mehr – wenn Sie mir einfach sagen könnten, wo ich langgehen muss, das wäre super!“ Er kam noch etwas näher, und sie schaute in sein Gesicht, das fast noch kindliche Gesicht eines sehr jungen Mannes. Ja, er war dunkelhäutig, und er sprach absolut akzentfreies Deutsch. „Ich weiß wo es zum Bahnhof geht“ sagte sie und überlegte, wie sie es einer so offensichtlich verwirrten Person am besten erklären könnte. Er redete und redete und erklärte ihr, dass er unheimlich dankbar wäre, wenn sie ihm helfen würde – er hätte ganz bestimmt keine bösen Absichten, und es täte ihm wirklich leid, dass er sie in so einem Zustand anspreche, aber er hätte sich einfach verirrt und brauche ihre Hilfe. Sie überlegte ganz kurz, dann traf sie ihre Entscheidung, grinste ihn an und sagte: „Also wenn Sie zu betrunken sind, um geradeaus zu laufen, und zu betrunken, um den Weg zum Bahnhof zu finden, dann sind Sie auch zu betrunken, um mir was anzutun – warum gehen wir nicht einfach zusammen zu meinem Auto und ich fahre Sie schnell hin?“ Auf dem Weg zum Auto gestand er ihr, dass er verschiedene Drogen zu sich genommen hatte, aber er versicherte ihr, dass er ein netter Mensch wäre und nicht etwa aggressiv werde, wenn er etwas genommen hätte, und irgendwie glaubte sie es ihm. Er war unheimlich dankbar für ihre Hilfe, und sie kamen in ein nettes Gespräch. Er fragte sie Dinge, die er sicher normalerweise eine völlig Fremde nicht gefragt hätte, zum Beispiel wie alt sie wäre und was ihr Job wäre, und ob sie schon jemals betrunken gewesen wäre. Er war beeindruckt, als sie ihm erzählte, dass sie noch nie im Leben Drogen genommen hätte, und sagte, das solle sie auch unbedingt weiterhin sein lassen! Als sie sich am Bahnhof verabschiedeten, wünschte er ihr ein wunderbares Leben.

Bleibt noch anzumerken, dass meiner Bekannten die offensichtliche Parallele zur Geschichte vom barmherzigen Samariter gar nicht wichtig war – es war ihr fast ein wenig peinlich, als jemand sie darauf aufmerksam machte. Sie wollte eigentlich nur verdeutlichen, was für überraschende kleine Erlebnisse der Alltag einem ab und zu beschert, wenn man über seinen Schatten springt und unkonventionell handelt.


Tageslosung


Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.
1.Samuel 2,1

Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.
1.Petrus 1,8

Termine


04.06.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

05.06.2020 17:00 Uhr

Marienkirche

Friedensgebet

06.06.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit

07.06.2020 08:00 Uhr

Marienkirche

Frühgottesdienst

07.06.2020 10:00 Uhr

Marienkirche

Gottesdienst

09.06.2020 12:00 Uhr

Marienkirche

Orgelgedanken zur Marktzeit